#2 Ideenfindung: Eingebungen und Inspiration - Buch schreiben mit SchreibBLOGade
- Stefanie Henkel

- vor 7 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Wie ihr aus dem Beitrag über Prämisse & Grundidee hoffentlich mitgenommen habt, gibt es eine ganz einfache Methode, sehr schnell eine simple Prämisse aufzustellen und damit den Grundstein für eure Geschichte zu legen.
Vielleicht seid ihr aber diese Art von kreativen Menschen, die sich lieber treiben lassen - die nicht gut klarkommen mit strikten Konstrukten und Vorgaben. Die der Meinung sind, Kreativität könnte man nicht erzwingen und auch nicht in eine Box stecken.
Diese Ansicht ist vollkommen okay. Wenn man allerdings professionell schreiben will, kann man nicht darauf warten, dass einen die Muse küsst. Zu viel hängt daran, dass man "abliefert". Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich trotzdem nicht immer an die starren Strukturmodelle hängen muss. Deswegen soll es in diesem Beitrag der SchreibBLOGade um ✨ Inspirationsquellen ✨ gehen.
Möglicherweise bist du gerade auch gar nicht auf der Suche nach einer starren, finalen Idee, sondern willst einfach nur ein bisschen Schreiben üben und das ohne großen Druck oder ohne klare Struktur. Du willst lieber in Themen oder kleinere Ideen eintauchen und sehen, wo es dich hintreibt, hast aber noch keine Inspiration. Dann ist dieser Beitrag sicher etwas für dich.

Let's be real: Ich könnte hier wahrscheinlich tausende Sachen aufzählen und hätte immer noch nicht alles damit abgedeckt, wo man Inspiration finden kann. Daher soll das hier nur eine Basislinie der 5 grundlegenden Inspirationsquellen für deine Geschichte sein.
Geschichtliche Kontexte
Vielleicht erinnerst du dich, dass es bei der Findung der Grundidee zuerst um Handlungsort und -zeit deiner Geschichte ging. Wenn du dich von einem geschichtlichen Kontext inspirieren lässt, sind diese Themen direkt abgedeckt. Womöglich schwebt dir sogar eine historische Person vor oder du entwirfst eigene Charaktere im historischen Kontext (z. B. "Titantic"). Genre wie historische Romane oder historische Dramen setzten historische Kontexte bereits voraus. Doch auch in anderen Genres gibt es Inspiration aus historischen Ereignissen - Moby Dick ist natürlich inspiriert vom Walfang-Fanatismus des 18. und 19. Jahrhunderts. Game of Thrones ist inspiriert von zahlreichen historischen Ereignissen aus dem europäischen Mittelalter, u. A. den Rosenkriegen und dem Hundertjährigen Krieg.
Die Schwierigkeit mit historischen Kontexten - sofern sie real dargestellt werden sollen und nicht nur als Inspiration für eine gänzlich eigene Fantasywelt dienen - ist natürlich die Akkuratesse der Darstellung. Wenn deine Geschichte in einem echten historischen Kontexten spielen soll, darf darin nichts vorkommen, was die Immersion (Was ist Immersion? Lies es hier nach!) dieses Kontextes bricht. Falls du einen vorindustriellen Kontext gewählt hast, wäre es also komisch, wenn auf einmal Autos oder Flugzeuge vorkämen. Das Stichwort für eine akkurate, historische Darstellung ist also Recherche. Aber Achtung! Recherchelöcher sind real! Es wäre schade, wenn du dich selbst damit blockierst und dich nicht traust, deine Geschichte anzufangen, nur, weil du noch nicht herausgefunden hast, wie genau die Knöpfe in den 1620er Jahren aussahen.
In jeder Art von Geschichte mit realem Bezug auf Geschichte, Völkergruppen, sensible Orte, aber auch auf (psychischen) Krankheiten und Behinderungen würde ich dir raten, auf Sensitivity Reader zurückzugreifen. Das sind Vorablesende, die Teil dieser betroffenen Gruppe sind und dir Feedback geben können, ob du das Thema akkurat repräsentierst.
Musik & Kunst
Hörst du gerne Musik? Wenn du sie hörst, siehst du dann auch manchmal Bilder? Hat dich irgendwann schon einmal eine Lyric oder eine Melodie zu einer Geschichte inspiriert? Was ist mit deiner allerliebsten Songlyric? Ließe sich daraus eine Geschichte oder ein Charakter stricken?
Viele Lieder erzählen bereits eine eigene Geschichte. Nun stell dir vor, aus dieser kleinen 1-Lied-Geschichte ließe sich ein ganzes Buch machen ...
Aber Kunst gibt es ja in verschiedensten Formen. Es muss nicht unbedingt eine Lyric sein, es könnte auch ein Gedicht sein, ein Bild, ein Graffiti, Kreidebilder von Kindern auf der Straße, ein Theaterstück, ein Tanz, eine Bastelei ... die Möglichkeiten sind endlos.
Und ja - natürlich kannst du irgendeine KI fragen, ob sie inspirierende Ideen für dich hat, aber versuch es doch erst mal selbst. Denn du bist hier, um etwas eigenes zu schaffen, um selbst eine Aussage zu tätigen oder zumindest, um dein Handwerk zu verbessern, aber dazu musst du deine eigenen kreativen Muskeln stählern - und das funktioniert ganz ohne GenKI. Oder gehst du auch ins Fitnessstudio, um jemand anderen dabei zuzusehen, wie derjenige Gewichte stemmt und glaubst, selbst davon stärker zu werden? Nein, so funktioniert es nicht.
Kunst ist das Ergebnis von Inspiration. Alle (menschliche) Kunst hat einen Ausgangspunkt und nicht selten war es das Werk eines anderen Kunstschaffenden. Bücher, Filme, Serien, Spiele - ich kann euch gar nicht sagen, wie stark manche davon mich geprägt haben. Offensichtlich so sehr, dass ich schon immer den Drang dazu hatte, so etwas selbst zu machen. Die Menschlichkeit dahinter ist das, was zählt. Du bist das, was zählt. Wenn du eine KI für deine Kunst brauchst, heißt das, du hast nichts zu sagen. Aber wenn du nichts zu sagen hättest, hättest du nicht das Bedürfnis, etwas zu erschaffen. Also: Vertrau auf dich. Vertraue auf deinen inneren Antrieb. Und vertraue deinem persönlichen Prozess, auch wenn er vielleicht länger dauert.
Naturereignisse/Wissenschaft
Obwohl ich in Physik eine absolute Niete war, war ich schon immer ein Astronomie-Nerd. Ich habe früher bis spät in die Nacht Weltraumdokus über schwarze Löcher, Supernovae, Exoplaneten und sonstige astronomische Ereignisse geschaut und ja, es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mal ein Sci-Fi-Buch schreibe.
Deswegen haben all meine Fantasygeschichten auch immer astronomische Aspekte. Z. B. gibt es in meiner Welt aus "Die letzten Urelmare" eine Galaxie auf Kollisionskurs, die man am Nachthimmel sehen kann - inspiriert von einem astronomischen Ereignis, was sich auch in unserer Galaxie in ca. 3-4 Milliarden Jahren ereignen wird: Die Andromeda-Milchstraßen-Kollision. In ein paar Milliarden Jahren wird unser Nachthimmel also so aussehen:

Ist das nicht cool?
In meiner Geschichte ist es nur ein ergänzendes Worldbuilding-Detail, aber ich sehe nicht, dass allein dieses Phänomen nicht schon eine wunderbare, eigene Geschichte werden könnte.
Aber gehen wir mal weg von der Astronomie. Was ist mit anderen Naturereignissen? Stürme wie Tornados und Hurricanes inspirieren schon seit Jahrzehnten die Hollywoodszene. Von Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Tsunamis, Lawinen, Erdrutschen, Waldbränden etc. muss ich sicher gar nicht erst anfangen. Die Natur ist voller Inspiration und manchmal müssen es ja nicht mal große Katastrophen sein. Manchmal reicht ja auch ein einfacher Regenschauer oder ein sehr heißer Tag.
Oft sind es auch biologische oder biochemische Annahmen, die schon die Grundidee für ganze Blockbuster bieten. Bestimmt habt ihr alle schon einmal den (falschen) Fakt gehört, dass Menschen nur 10% ihres Gehirns nutzen. Das wird in zahlreichen Filmen zitiert. Besonders im Kopf geblieben ist mir jedoch in diesem Kontext "Duell der Magier" mit Nicolas Cage und Jay Baruchel. Hier wird behauptet, dass die Magier nur zaubern können, weil sie - im Gegensatz zu allen anderen Menschen - 100% ihres Gehirns nutzen können.
Ein letzter großer Themenbereich der Inspiration im wissenschaftlichen Kontext ist die Psychologie. (Leider) besonders im Horror- und Thrillergenre beliebt, denn bestimmte psychische Krankheiten gelten als idealer Grundbaustein für Antagonisten. Wie oben bereits erwähnt gilt hier auch ein Vorsichtsgebot, denn gerade psychische Krankheiten werden oft fehlerhaft oder einseitig dargestellt. Auch hier empfiehlt sich eine umfangreiche Recherche und ein Sensitivity Read.
Andere Geschichten (und Tropes)
Das fällt natürlich auch unter das Thema "Kunst", aber nochmal mit einem kleinen Extra.
Zum einen halte ich es für vollkommen legitim - und denke, dass das für viele Autor*innen ohnehin der Fall war - erst einmal mit Fanfictions anzufangen. Es gibt einen Grund, warum die Fanfictionszene so groß ist, schließlich gibt es genug Franchises mit noch ungenutztem Potenzial oder Fragen, denen man noch genauer auf den Grund gehen könnte. Eine Fanfiction marktfähig zu veröffentlichen, ist dann eine andere Frage, denn ab dann geht es natürlich um Urheberrechte. Wenn es aber nur darum geht, erst einmal drauf loszuschreiben und sein Handwerk zu verbessern, sehe ich darin eine wertvolle Quelle.
Und dann gibt es da natürlich noch Tropes. Tropes sind Handlungselemente von bestimmten Genres oder Geschichten oder bestimmte Charakterdynamiken in Romances (z. B. Grumpy x Sunshine - auch hierzu mehr im Glossar). Irgendwann mache ich sicher auch mal einen intensiveren Beitrag über Tropes.
Tropes sind ein zweischneidiges Schwert für mich, denn sobald man sie kennt, gibt es kein Zurück mehr. Man sieht sie überall, in jeder Art von Storytelling. Manche Tropes haben bereits "Klischee"-Status erreicht, wobei vieles davon auch mit Genreerwartungen zusammenhängt. In einer RomCom (romantischen Komödie)bspw. ist eben die Erwartungshaltung, dass sich das Pärchen am Ende kriegt.
Ich schweife ab.
Wenn du keine konkrete Idee hast, aber vielleicht schon weißt, welches Genre es werden sollte, recherchiere doch einfach einmal Tropes. Schau, welche besonders beliebt in dem Genre sind und überlege dir, wie du sie umsetzen würdest. Und falls du dir jetzt denkst: "Aber dann ist meine Geschichte ja null originell, ich will aber etwas 100% Originelles schreiben!" Dann lies doch auch einmal meinen Beitrag zu GenKI, da ich dort ebenfalls etwas Originalität erzähle.
Das echte Leben
Sei es nun dein eigenes, das eines Verwandten, eines Nachbarn oder eines Wildfremden. Vielleicht ist es auch etwas aus deinem Wohnort: eine Tradition oder ein geheimnisvoller Ort. Oder du schreibst gleich eine Own Voice Geschichte - also eine Geschichte über ein Thema, was dich in deinem Leben begleitet, z. B. ein einschneidendes Ereignis oder eine Krankheit. Auch diese können in einem fiktionalen Kontext eingebettet sein.
Vielleicht findest du selbst in kleinen Erzählungen aus deinem Leben eine Inspiration. Zum Beispiel: Wann hast du das erste Mal in deinem Leben eine Erdbeere gegessen? Wo hast du deinen ersten Urlaub verbracht? Wie war dein erster Schultag?
Selbst hinter den simpelsten und scheinbar banalsten Fragen kann eine Geschichte stecken - oder wenigstens die Inspiration für eine. Ist das nicht schön?
Du siehst also, die Möglichkeiten sind endlos. Es würde mich wundern, wenn nicht wenigstens eine dieser Quellen dein Interesse geweckt hat.
Weiter in der Reihe geht es mit Ideenfindung #3: Genres, Erwartungen & Tropes.
Falls du dir noch einmal die anderen Beiträge von SchreibBLOGade zu Gemüte führen willst:




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